Wie Borstenhörnchen ihr Futter verstecken und es wiederfinden

Borstenhörnchen. © Petra Karstedt, www.Tiermotive.de. CC BY-SA 2.0 DE: Wikimedia Commons.

Borstenhörnchen. © Petra Karstedt, www.Tiermotive.de. CC BY-SA 2.0 DE: Wikimedia Commons.

Borstenhörnchen orientieren sich beim Verstecken ihrer Nahrung am Sonnenstand. Diesen nutzen sie ebenfalls, um ihre Vorräte etwa einen Tag später wieder zu finden. Den im südlichen Afrika lebenden Tieren dient somit die Sonne als Referenzpunkt, an dem sie sich grob orientieren. 

Jamie Samson und Marta Manser an der Universität Zürich untersuchten  Kap-Borstenhörnchen (Xerus inauris) im Kalahari Research Centre in Südafrika. Die tagaktiven Nagetiere verstecken überschüssige Nahrungsreserven für kurze Zeit in mehreren Verstecken. Sie leben in einer ausgesprochen trockenen und nur spärlich bewachsenen Region, in der Orientierungspunkte, wie Bäume oder Sträucher kaum vorhanden sind. Daher interessierten sich die Forscher für die Frage, wie die sozialen Nagetiere ihre kurzfristigen Futterverstecke wiederfinden. «Wahrscheinlich nutzen die Kap-Borstenhörnchen die Position der Sonne als wichtigsten Referenzpunkt, um ihre Bewegungsrichtung grob zu justieren», erläutert Samson.

Position der Sonne dient der Orientierung

Die Verhaltensbiologen gaben den Borstenhörnchen Futter, damit die Tiere die Leckerbissen versteckten. Anschließend hielten die Forscher mit einem GPS fest, wohin sich die Nager mit ihrer Beute verzogen hatten. Den Forschern zufolge bewegten sich die Tiere entlang einer nahezu geraden Linie, entweder zur Sonne hin oder von der Sonne weg, um ein geeignetes Versteck zu finden. Wobei der horizontale Winkel ihrer Bewegungsrichtung leicht von der Richtung abwich, in der die Sonne stand. «Aufgrund dieses Bewegungsmusters vermuten wir», interpretiert Samson, «dass Kap-Borstenhörnchen die Sonnenposition zu einem bestimmten Tageszeitpunkt als eine Art Faustregel nutzen, um sich auf der Suche nach einem Futterversteck zu orientieren».

Borstenhörnchen sind gesellgie Tiere, die in Kolonien leben. © BS Thurner Hof. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

Borstenhörnchen sind gesellgie Tiere, die in Kolonien leben. © BS Thurner Hof. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

Wie aber finden die Tiere ihre Verstecke am nächsten Tag wieder? Schließlich ändert sich der Sonnenstand im Tagesverlauf ständig. Um diese Frage zu klären notierten die Wissenschaftler, zu welcher Zeit die Nager ihr Futter versteckt hatten. Mit Hilfe von Kameras, die sie in der Nähe des Verstecks aufstellten, ermittelten sie anschließend, wann genau die Tiere ihre Vorräte wieder abholten. Auch hier ergab sich ein Muster: Denn die Borstenhörnchen sammelten ihr Futter meist genau 24 Stunden später wieder ein – zu einem Zeitpunkt, an dem die Sonne an etwa derselben Position am Himmel stand, wie am Vortag.

Zeitpunkt der Futterbergung hängt von der Gruppengröße an

Manchmal holten die Borstenhörnchen ihr Futter auch schon früher ab. Und zwar zu genau dem Zeitpunkt, an dem die Sonne spiegelbildlich zu dem horizontalen Winkel der 24-Stunden-Position stand. So verfügen die Tiere über zwei mögliche Zeitpunkte, ein am Vortag gewähltes Futterversteck wiederzufinden: «Die Borstenhörnchen scheinen über eine gewisse Flexibilität zu verfügen, zu welcher Zeit sie ihr Futter zurückholen. Vor Ablauf der 24-Stundenfrist passiert dies meist, wenn zu diesem Zeitpunkt mehr Individuen in der Gruppe sind, um zu verhindern, dass die Nahrung von Konkurrenten gestohlen wird.»

Es ist seit Langem bekannt, dass Tiere, wie Honigbienen oder Brieftauben die Sonne zur Orientierung nutzen. Bisher glaubte man, dass dies entweder zeitabhängig erfolgt, also mit einer zeitabhängigen Positionsinformation, oder dass die Tiere über eine Art Kompass verfügen, mit dem sie Verschiebungen der Sonnenposition kompensieren können. Die Borstenhörnchen scheinen ein Zwischensystem zu nutzen: Sie orientieren sich an der Sonne in einer flexiblen, zeitlich begrenzten Weise.

Universität Zürich, 12. September 2016

Originalpublikation:

Jamie Samson and Marta B. Manser. Use of the sun as a heading indicator when caching and recovering in a wild rodent. Scientific Reports. September 1, 2016. doi: 10.1038/srep32570

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