Die Kelten: Alles andere als wilde, kulturlose Barbaren

Die antiken Geschichtsschreiber der Griechen und Römer vermitteln uns ein sehr heterogenes Bild der Kelten. Den einen waren sie edle Wilde, den anderen grausame, unberechenbare Barbaren. Ein Grund für diese unterschiedliche Wahrnehmung liegt wohl darin, dass die Kelten zum einen als Hersteller und Händler begehrter Waren galten, zum anderen aber auch als gefürchtete Gegner auf dem Schlachtfeld auftraten. Doch wie lebten die Kelten wirklich? Neben den widersprüchlichen antiken Quellen zeugen vor allem archäologische Funde von dem meisterhaften Können der keltischen Handwerker. Sie erzählen von einem gemeinsamen Kulturraum, der sich trotz großer Heterogenität der verschiedenen Stämme herausbildete und in seiner Blütezeit an der Schwelle zur Hochkultur stand.

Verbreitung keltischer Völker und Sprachen: IIIIII Gebiet der Hallstatt-Kultur im 6. Jahrhundert v. Chr. IIIIII Größte keltische Ausdehnung, um 275 v. Chr. IIIIII    Lusitania (keltische Besiedlung unsicher). IIIIII  Die „sechs Keltischen Nationen“ in denen es bis in die Frühe Neuzeit eine signifikante Anzahl Sprecher keltischer Sprachen gab. IIIIII  Das heutige Verbreitungsgebiet keltischer Sprachen. © QuartierLatin1968, The Ogre, Dbachmann, Superwikifan; derivative work Augusta 89. CC BY-SA 3.0.

Bronzekultwagen aus einem Urnengrab in Acholshausen. © public domain.

Ende der Bronzezeit ging mit großem Knall einher

Das Ende der Bronzezeit war wohl nicht nur im östlichen Mittelmeerraum mit einem Kollaps der bisherigen Gesellschaften verbunden. Denn der Ausbruch des Vulkans Hekla auf Island dürfte gerade auch im Norden Europas zu erheblichen klimatischen Veränderungen geführt haben. Was sicher viele Stämme dazu veranlasste, ihre Heimat zu verlassen.

Hatte die in Mitteleuropa ansässige Bevölkerung in der Bronzezeit noch oft in Großsiedlungen gelebt und ihre Würdenträger in sogenannten Hügelgräbern beigesetzt, so ging man in den unruhigen Zeiten nach dem Bronzezeitkollaps dazu über, die Toten nur noch in Urnenfeldern zu beerdigen. Es wird wohl Missernten gegeben haben, die zu einem Anstieg der Sterblichkeit und einer gesellschaftlichen Instabilität geführt haben. Solche Zustände riefen damals wie heute religiöse Eiferer auf den Plan. Denn viele der  verunsicherten Menschen glauben dann die Götter, deren Zorn sie für die Veränderungen verantwortlich machen, gnädig stimmen zu müssen. Damals opferten die Priester hierzu den Göttern vermehrt kostbare bronzene Gegenstände, wie etwa Waffen. Da ihnen Gewässer als Wohnstätte der Götter galten versenkten sie ihre Opfergaben in Flüssen und Seen.

Textilfund aus den Hallstätter Salzbergwerken. © Andreas W. Rausch – Prähistorische Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien. CC BY 3.0.

Um etwa 800 v. Chr. waren die dunklen Jahrhunderte der Antike, aus denen keine schriftlichen Zeugnisse überliefert sind, endlich überstanden. In Griechenland bildeten sich die ersten Stadtstaaten heraus und in Italien florierte die Kultur der Etrusker, die auch die Stadt Rom gründeten. Es entwickelte sich ein intensiver kultureller Austausch mit den inzwischen wieder erblühenden Hochkulturen in Mesopotamien. Das belebte auch erneut den Handel zwischen den verschiedenen Kulturen und im Zuge dieser Entwicklungen gelangten die Menschen im östlichen Mittelmeerraum allmählich wieder zu Wohlstand.

Neue Blütezeit in Mitteleuropa

Schwertgriff aus Elfenbein mit Bernsteineinlagen aus dem Gräberfeld von Hallstatt. © Alice Schumacher – Naturhistorisches Museum Wien. CC BY 3.0.

Das war auch von Vorteil für Mitteleuropa, welches nun ebenfalls eine neue Blütezeit erlebte. In Hallstatt etwa erwirtschafteten sich Menschen, die gemeinsam im Bergwerk bei dem schwachen Licht von Kienspänen Salz abbauten einen Lebensstandard, von dem noch heute ihre reich ausgestatteten Gräber zeugen. Das hier abgebaute Salz war das weiße Gold der damaligen Zeit, denn es diente nicht nur zum Würzen der Speisen, sondern war auch ein unentbehrliches Konservierungsmittel für alle möglichen Lebensmittel. Das Gräberfeld in Hallstatt verlieh der Hallstattkultur ihren Namen, deren westliche Ausprägung inzwischen den Kelten zugeordnet wird. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot, der im 5. Jahrhundert v. Chr lebte, verortet die Kelten um das Mündungsgebiet der Donau. Der Name Keltoi, stammt vermutlich von den Kelten selbst und heißt wohl die Tapferen oder die Erhabenen. Gleiches gilt für den von den Römern oft benutzen Namen Gallier oder die nach Anatolien ausgewanderten Galater.

Während es unter den Arbeitern im Hallstätter Salzbergwerk wohl kein großes soziales Gefälle gab, bildeten sich im Laufe dieser Epoche in Mitteleuropa immer stärkere soziale Unterschiede heraus. Und die wohlhabende Elite konnte es sich nun wieder leisten ihre Toten in Hügelgräbern beizusetzen. Während die weniger gut situierten sich mit einfacheren Gräbern begnügen mussten. Und die Ärmsten nur in einfachen Gruben ohne Grabbeigaben verscharrt wurden.

Dolche mit durchbrochener Griffplatte aus der Koban Kultur. Musée d’Archéologie Nationale Saint-Germain-en-Laye bei Paris. © Cangadoba. CC BY-SA 4.0.

Auslöser für das erneute Aufkommen der Hügelgräber waren vermutlich wieder einmal Reiternomaden, die in der pontischen Steppe aufkreuzten, wie dies bereits einige Jahrtausende früher die Jamnaja getan hatten. Sie weiteten ihren Einflussbereich bis jenseits des Karpatenbogens nach Westen aus. Ob dieser kulturelle Transfer auch mit der Wanderung von Menschengruppen einher ging, ist bisher nicht endgültig geklärt. Kandidaten hierfür sind die Kimmerer, Thraker und Skythen. So deuten jedenfalls Archäologen das Vorkommen von Dolchen mit durchbrochener Griffplatte, sowie Pferdetrensen die in dieser Zeit in Ungarn, Polen und Deutschland gleichermaßen verbreitet waren. Sie ähneln solchen aus der pontischen Steppe und dem Kaukasus, die zur Koban-Kultur gehören. Gleichzeitig gelangten die Menschen der Hallstattzeit auch zu größeren Pferden, die ebenfalls vermutlich aus dem Osten importiert wurden.

Goldener Halsreif aus dem Prunkgrab am Glauberg. © Rosemania. CC BY 2.0.

Aus Bronze und Eisen gefertigter Dolch aus dem Prunkgrab von Hochdorf, Der Griff und
das Ende der Scheide sind mit eingearbeiteten roten Korallen verziert. Der Dolch ist etwa 42 cm lang. © NobbiP. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

Hügelgräber kamen wieder in Mode

Die Mode der Hügelgräber entwickelte sich Schritt für Schritt. Zunächst wurde ein Urnengrab nur mit einem Hügel versehen und das Grab mit reichen Beigaben ausgestattet. Nach einiger Zeit ging man dann wieder zur Körperbestattung über. Dabei wurde eine hölzerne Grabkammer auf ebener Erde angelegt. Oben auf platzierte man einen Hügel aus Erde und Steinen. Im Lauf der Zeit wurde der Wettbewerb zwischen den wohlhabenden Familien immer größer. Nun gaben sie ihren Verstorbenen nicht mehr nur das von diesen zu Lebzeiten benutzte Geschirr mit ins Grab. Sondern die Hinterbliebenen suchten sich gegenseitig zu übertrumpfen, indem sie dazu übergingen ganze Geschirrsätze extra für die Beerdigungen herstellen zu lassen. Schließlich wurden die reichsten in der Gesellschaft mit einem vierrädrigen Wagen, Pferdegeschirr, kostbaren, reich verzierten Schwertern oder Dolchen, sowie wertvollstem Goldschmuck, kunstfertigen Metallgefäßen, Luxusartikeln aus Griechenland und Etrurien, einem üppigen Mahl, sowie reichlich Met oder Wein für die Reise ins Jenseits ausgestattet. Auf dem Grabhügel wurde schließlich eine Statue aufgestellt, die den verstorbenen darstellte. Diese Stauen erinnern an die der Skythen. Sowohl Männer, als auch Frauen wurden auf diese luxuriöse Weise beigesetzt. Da die sterblichen Überreste des Würdenträgers bei der Bergung durch Archäologen meist bereits so weit zerfallen waren, dass eine Geschlechtsbestimmung nicht mehr möglich war, ordnete man Gräber mit Waffen immer Männern und solche, in denen keine Waffen gefunden wurden, Frauen zu. Allerdings gab es bei den skythischen Sarmaten auch Hügelgräber, in denen eindeutig Kriegerinnen begraben waren. Und laut den antiken Geschichtsschreibern sollen auch keltische Frauen an kriegerischen Auseinandersetzungen teil genommen haben.

Keltische Prunkgräber fand man etwa in Hochdorf in der Nähe von Stuttgart, am Fuße des Glaubergs, nahe der Heuneburg oder im Grabhügel von Sonnenbühl bei Zürich. Am Ende dieser Entwicklung war das Gefälle zwischen Arm und Reich so stark ausgeprägt, wie es bisher in Europa noch nie der Fall gewesen war. Begünstigt wurde dies durch das bei den Kelten verbreitete Patron-Klienten-System, bei dem die hochrangige Elite über eine Vielzahl sozial niedriger gestellte Stammesangehörige herrschte, aber auch für deren Wohlergehen zuständig war. So leitet sich denn unser Wort Amt vom keltischen ambactos ‚Höriger, Dienster‘ ab.

Rekonstruktion des Keltengrabes von Hochdorf im Keltenmuseum Hochdorf. © jnn95. CC BY-SA 3.0.

Leben auf dem Lande

Die Bauern der Hallstattzeit wohnten zunächst in offenen Siedlungen mit verstreut liegenden Gehöften. Sie wurden meist von mehreren Generationen genutzt. Ein solcher Hof bestand in der Regel aus einem Wohngebäude und mehreren Wirtschafts- und Speichergebäuden, wobei die Grubenhäuser wohl der Vorratshaltung dienten. Ihre Häuser bauten die Kelten in einfacher Fachwerkbauweise. Dabei konstruierten sie ihre Wände aus Weidenflechtwerk das zwischen Holzpfosten befestigt war. Dieses Geflecht wurde mit einer Mischung aus Lehm, Stroh und Wasser bestrichen und als Schutz vor Regen weiß gekalkt. Ob diese einfachen Häuser bereits über Fenster verfügten, ist fraglich. Diese ländliche Bauweise blieb etwa über Tausend Jahre hinweg relativ unverändert bestehen. Selbst unter den germanischen Franken im 5. Jahrhundert n. Chr. wohnten die Bauern noch in ähnlichen Häusern. Bis dahin hatte man aber gelernt, Fenster einzubauen. Oft fand man in den keltischen Dörfern auch einen sogenannten Fruchtbarkeitsbaum, der ein Vorläufer unseres heutigen Maibaumes sein könnte.

Lebensgroße Sandsteinstatue des ‚Keltenfürst‘ vom Glauberg in Hessen, ca. 500 v. Chr. Als Kopfschmuck trug er eine Blattkrone. © Heinrich Stürzl. CC BY 3.0.

Je nach Region bauten die Kelten Spelzgerste, Emmer und Dinkel an, zum Teil aber auch Einkorn und Nacktweizen, sowie echte Hirse und Kolbenhirse. Aber auch Hülsenfrüchte und Ölpflanzen erfreuten sich großer Beliebtheit. Vor allem Linsen, sowie Erbsen, Linsenwicken und Ackerbohnen. Als Ölpflanze dominierte Leindotter, in seltenen Fällen auch Lein und Schlafmohn. Sie züchteten Schafe, Ziegen, Schweine, Rinder, Pferde und Hunde. Wobei alle diese Tiere auch im Kochtopf landen konnten. Allerdings waren die Nutztiere der damaligen Zeit noch wesentlich kleiner, als heutzutage.

Wohlhabende Frau mit Kind aus der Hallstattzeit. Über einer Untertunika aus Leinen trägt die Frau ein Wollkleid aus einem viereckigen Tuch, das auch im eisenzeitlichen Griechenland weit verbreitet war und Peplos genannt wird. Die Schabelschuhe aus Leder konnten anhand von Abbildungen und tönernen Leisten rekonstruiert werden. Auf bronzenen Gefäßen abgebildete Frauen trugen einen Schleier, der den Kopf bedeckt. Wie für diese Zeit typisch wird das Gewand durch zwei Schlangenfibeln an den Schultern zusammen gehalten. Die Kelten waren berühmt für ihre um den Hals getragenen Torques, wie die Frau auf der Abbildung sie trägt. Ihr Gürtel ist mit einem Bronzeblech beschlagen. Der Schmuck stammt aus einem Grabhügel in der Gemarkung Beckerslohe, Oberkrumbach, im Nürnberger Land. Das Foto wurde im Naturhistorischen Museum Nürnberg aufgenommen. © Daderot. CC0 1.0. Wikimedia Commons.

Mit der Zeit wurden manche der Höfe zunächst mit einer Palisade und später mit einem Schutzwall umgeben. Sie wurden von den Archäologen zunächst als „Herrenhöfe“ oder Wohnstätten adeliger Familien interpretiert. Denn mit dieser Art der Abgrenzung könnte eine Elite ihren Luxus zur Schau gestellt haben. Doch inzwischen geht man davon aus, dass es sich wohl eher um Wehranlagen handelt, in denen die Bewohner der umliegenden, ungeschützten Höfe Zuflucht fanden, wenn es zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Denn vermutlich zeugen die zahlreichen Wallanlagen aus dieser Zeit von regelmäßig auftretenden Überfällen und Angriffen. Sonst hätte man sich wohl kaum die Mühe gemacht, solch aufwändige Schutzmauern aufzubauen. Anlass könnte etwa ein Streit um Weiderechte, aber auch Raubzüge benachbarter Stämme gewesen sein. So war es etwa auch noch bei den Merowingern üblich, dass der König seine Krieger um sich scharte, um andere Stämme zu überfallen und Beute zu machen. Eine Unsitte, von der selbst die Deutschordensritter im Mittelalter nicht ablassen wollten. Sie überfielen und plünderten regelmäßig die Litauer. Als Begründung musste lange das Argument herhalten, dass sie Heiden seien. Doch selbst als diese schon längst zum Christentum übergetreten waren, wollten die Deutschordensritter ihre alte Gewohnheit nicht aufgeben. Diese Art der organisierten Barbarei führte schließlich zu ihrem eigenen Untergang, da das christliche Europa ein solches Verhalten inzwischen nicht mehr duldete.

In den geschützten Gehöften der keltischen Siedlungen gab es auch größere Gebäude, die aus Holzplanken zusammen genagelt waren. Sie könnten von der Gemeinschaft für Versammlungen, Beratungen und Gerichtsverhandlungen genutzt worden sein.

Rekonstruierte Pfostenschlizmauer am Ipf bei Bopfingen. Sie diente dem Schutz der keltischen Siedlung auf dem Ipf. © Rau.mi. CC BY-SA 4.0.

Größere Siedlungen: „Fürstensitze“

Schließlich bildeten sich in der jüngeren Hallstattzeit im Westen rund ein Dutzend regionaler Siedlungszentren heraus. Diese meist auf einer Anhöhe gelegenen Orte waren von massiven Mauern umgeben. In ihrer Nachbarschaft lagen reich ausgestattete Hügelgräber. Offenbar lebte in diesen Höhenorten eine ausgesprochen reiche Elite, welche die Archäologen oft als „Fürsten“ bezeichnete. Doch da uns die Kelten keine schriftlichen Zeugnisse ihrer Kultur hinterlassen haben, können wir heute nicht wirklich wissen, um was für Eliten es sich bei den so luxuriös Begrabenen eigentlich handelt. Waren es Fürstenfamilien, Krieger, die durch Raubzüge oder den Dienst als Söldner in fremden Armeen zu Reichtum gelangt waren, reiche Händler, oder gar einflussreiche Druiden? Selbst innerhalb dieser Höhenorte gab es von Schutzwällen umgebene Bereiche, in denen sich wiederum größere Versammlungsgebäude befanden. Die Höhenorte lagen typischerweise an wichtigen Handelsknotenpunkten, von wo aus sie die Verkehrswege überwachen oder andere Kontrollfunktionen ausüben konnten. Dies gilt etwa für die Heuneburg, den Goldberg, sowie den Marienberg über Würzburg oder den Mont Lassois im oberen Seinetal. Solch komplexe Siedlungen und Befestigungsanlagen zu bauen war aufwändig, denn dazu musste die Arbeit vieler Menschen koordiniert und organisiert werden.

Modell der Heuneburg.Zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. © LepoRello (Wikipedia). CC BY-SA 3.0.

Ein Beispiel für solch ein regionales Siedlungszentrum ist die Heuneburg. Sie entstand etwa um 600 v. Chr. an einer Furt, an der man die Donau überqueren konnte. Gleichzeitig war der Fluss von hier aus für flache Kähne schiffbar, um Handelswaren und andere Güter zu transportieren. Entlang der Donau begann eine der ältesten und wichtigsten Handelswege in Richtung Osten, den die Römer später als Donausüdstraße ausbauen sollten. Vermutlich kontrollierten die Bewohner der Heuneburg diesen Verkehrsweg. Doch die Heuneburger dürften auch selbst Handelswaren exportiert haben: Wie etwa verschiedenste Gebrauchsgegenstände aus Bronze und Eisen. Oder die typisch keltischen, karierten oder mit anderen aufwändigen, farbigen Mustern gewebten Tuche. Sowie verschiedene Keramik oder auch Schmuck. Das belegen entsprechende Werkstätten und Handwerksviertel. Andererseits importierten die Heuneburger auch Waren aus weit entfernten, anderen Ländern, wie etwa Keramik aus Griechenland, Bernstein von der Ostsee, Hörnchenfibeln aus Slowenien sowie mit Wein gefüllte Transportamphoren aus Marseille. Die wohlhabende Elite wusste also durchaus ihr Leben zu genießen. Auch leistete sich die Siedlung anfangs den Luxus einer Ziegelmauer, wie sie damals sonst nur in Griechenland vorkam. Vermutlich hatte ein Händler oder Söldner diese Art der Bauweise im fernen Griechenland kennen und schätzen gelernt. Zur Burg gehörten darüber hinaus auch zahlreiche Außensiedlungen, die ebenfalls mit einer schützenden Mauer umgeben waren. So dürfte die Heuneburg zu ihren Spitzenzeiten rund 5000 Menschen beherbergt haben.

Glockenpanzer und Helm aus der Hallstattzeit, gefunden in Kleinklein in der Steiermark. © Herzi Pinki. CC BY 4.0.

Im Laufe ihrer Geschichte brannte der Ort gleich zwei Mal ab. Das kann durch ein Feuer ausgelöst worden sein, das durch Unaufmerksamkeit beim Kochen entstand. Gab es doch in den mit Reet oder Stroh gedeckten Häusern offene Feuerstellen und auch im Mittelalter ist so manche Stadt aufgrund ihrer Holzbauweise ein Raub der Flammen geworden. Doch es könnte sich dabei natürlich auch um das Ergebnis kriegerischer Auseinandersetzungen handeln. Jedenfalls wurde die Heuneburg nach dem zweiten Brand nicht wieder aufgebaut und von ihren Bewohnern endgültig verlassen.

Rekonstruktion eines Herrenhauses bzw. eines Gemeinschaftshauses im Freilichtmuseum Heuneburg. © LepoRello (Wikipedia). CC BY-SA 3.0.

Hartes Leben

Die damaligen Zeiten waren selbst für die Eliten nicht immer rosig. Wie eine Analyse des Gesundheitszustandes des „Fürsten“ von Hochdorf verrät, einer anderen Höhensiedlung in der Nähe von Ludwigsburg. Mit 40 Jahren starb er zwar für damalige Zeiten in einem hohen Alter und war auch erstaunliche 1,87 m groß. Doch in seiner Jugend musste er gleich zwei Hungernöte erleben. Im Alter fiel ihm das Gehen schwer und er konnte wohl nur unter Schmerzen kauen. Ähnlich, wie Herodot es um 500 v. Chr. für Skythenfürsten beschrieb, war der noble und überaus reiche Herr wohl mit Salz oder Honig einbalsamiert worden. Denn Pollenanalysen aus der Grabkammer zufolge ist er im Frühjahr oder Sommer gestorben, wurde jedoch erst im Herbst beerdigt, nachdem man das Prunkgrab fertig gestellt hatte.

Gehängefibel aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., Fundort: Wilzhofen, Bayern. Eine Fibel diente dazu, ein Gewand, das aus einem rechteckigen Tuch bestand, zu schließen. © Wolfgang Sauber. CC BY-SA 4.0.

Für den Transport von Waren mussten die Kelten über ein gutes Verkehrsnetz verfügen. Bisher hat man hierfür nur spärliche Hinweise gefunden. Wie etwa die Reste einer Holzbrücke im Wellheimer Trockental. Sie lag am Fuß einer befestigten Höhensiedlung und dem Schnittpunkt zweier Handelsrouten. Die Brücke aus Eichen- und Birkenstämmen war vier Meter breit und mehr als 400 Meter lang. Die in der Brücke verbauten Bäume sind 591 v. Chr. gefällt worden. Zwischen 576 und 573 v. Chr. wurde die Brücke noch einmal repariert und dann bis 500 v. Chr. genutzt. Im Anlauter- und Schwarzachtal wurden Teile einer mit Steinplatten befestigten Straße entdeckt, die auf die Kelten zurück geht.

Erste Wanderungswelle der Kelten

Etruskische Schnabelkanne. © katie chao and ben muessig. CC BY-SA 2.0. Wikimedia Commons.

In der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. verließen die Kelten die meisten, der auf einer Anhöhe gelegenen Fürstensitze. Von dieser Zeit an errichteten sie auch kaum noch Hügelgräber. Sie wanderten aus den Regionen, in denen sie bisher gelebt hatten aus. Manche von ihnen zogen bis nach Nordspanien und Portugal, wo sie sich mit der einheimischen Bevölkerung zu den Keltiberern vermischten. In Deutschland verlagerte sich dabei der Schwerpunkt der keltischen Kultur aus der Region um Donau und Neckar ins Rhein-Mosel-Gebiet. Über den Grund für diese Veränderungen lässt sich wieder einmal nur spekulieren. Hatte die intensive Landwirtschaft die Böden ausgelaugt, so dass die Kelten in neue Gebiete aufbrechen mussten? Schließlich hat man zwar auch in dieser Zeit wohl schon die Fruchtbarkeit der Felder durch Düngung mit Mist aufrecht erhalten. Doch eine Mehrfelderwirtschaft war damals noch nicht im Einsatz. Und eine intensive landwirtschaftliche Nutzung des Bodens führt schnell zu einer Abnahme der Erträge. Oder hatte man für die Bronze- und Eisenherstellung so viel Wald roden müssen, dass es nun in den alten Regionen an dem Rohstoff mangelte? Hatten sie eine tyrannische, vielleicht sogar fremde Elite gestürzt und wollten nun auf neuem Land, ohne die Erinnerung an die alten Fürsten oder ohne die Bedrohung durch die Wiedergänger der gestürzten und getöteten Elite, noch einmal von Vorne anfangen?

Keltische Schnabelkanne aus Grab 112 unterhalb der Hexenwand am Nordhang des Mosersteins am Dürnberg in Österreich. © NearEMPTiness. CC BY-SA 4.0. Wikimedia Commons.

Jedenfalls sind diese Veränderungen mit einer Weiterentwicklung der keltischen Kultur verbunden. Nun importierten die Kelten nicht mehr nur etruskische oder griechische Luxusgüter. Sondern die lokalen Handwerker entwickelten nach den mediterranen Vorbildern einen ganz eigenen keltischen Kunststiles. Dieser Stil wird nach dem Fundort „La Tène“ (= Untiefe) am Neuenburger See in der Schweiz als Latènekultur bezeichnet. Zur Verzierung benutzten die Kelten nun nicht mehr, wie bisher starre, geometrische Formen, wie Zickzackbänder, Dreiecke, Rauten und Kreise. Sondern sie entwarfen jetzt dynamische Muster, die sie aus pflanzlichen, menschlichen oder tierischen Motiven ableiteten.

Der Beginn dieser neuen Epoche war von den kleinen Dörfern geprägt, die weiterhin bestehen blieben und deren Wirtschaftsweise sich kaum änderte. Höhensiedlungen gab es in dieser Zeit nur noch sehr vereinzelt, wie etwa im Rhein-Mosel Gebiet. Dort gab es zwar noch die eine oder andere kleine Burg, wo möglicherweise eine Oberschicht wohnte. Doch diese lagen nicht mehr an einem Handelskontenpunkt oder standen mit dem Erzabbau in Verbindung. Offenbar gab es inzwischen nicht mehr ein solch großes Gefälle zwischen Arm und Reich, wie es noch zu den Hochzeiten der Hallstattzeit der Fall war. Dieser gesellschaftliche Umbruch fiel in eine Zeit, in der auch in Griechenland und Rom die Tyrannen gestürzt und die Demokratie eingeführt wurde. Führten die Handelskontakte, die die Kelten zu ihren Nachbarn in der Mittelmeerregion pflegten etwa zu ähnlichen, gesellschaftlichen Entwicklungen im Keltenland?

Wandworth Schild aus England. 2. Jahrhundert v. Chr.. Typisch sind die floralen Ornamente, die in Tiermotive übergehen. Wenn man links den vermeintlichen Flügel des Vogels genauer betrachtet, scheint darin ein weiterer Vogel dargestellt zu sein. Vermutlich sollte diese Art der komplexen Verzierungen den Eigentümer des Schildes mit magischen Kräften versehen oder ihn als Teil einer Elite ausweisen, die über außergewöhnliche Macht und Verbindungen verfügte und auf diese Weise international vernetzt war. Diese Art von dynamischen Ornamenten wurde nur für besonders hochwertige Gegenstände eingesetzt, nicht jedoch für solche des profanen Gebrauchs. © Johnbod. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

Keltischer Rennofen mit Rinne und Herdgrube für die Schlacke. © public domain.

Der Stahl der Kelten

Während der Latènezeit wurde auch die Eisengewinnung- und Verarbeitung verbessert. Zum einen entdeckten die Kelten neue Erzlagerstätten. Zum anderen verbesserten sie die Eisengewinnung und Herstellung von Gebrauchsgütern. Die Technik Eisenerz mit Hilfe von Rennöfen zu gewinnen ist auch von den Phöniziern und den Etruskern bekannt. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Kelten diese Fertigkeit durch ihren engen Kontakt mit diesen beiden Kulturen vermittelt bekamen.

 

Im Neuenbürg im Schwarzwald haben Archäologen ein Zentrum zur Herstellung von Stahl im 5. Jahrhundert v. Chr. entdeckt. Dort bauten die Kelten mehr als fünfzig für die Eisenerzgewinnung benötigte Rennfeueröfen in den Hang hinein, so dass sie die Hangwinde zur Entfachung der Feuer nutzen konnten. Auf diese Weise konnten sie sich einen Teil des Aufwandes für Blasebälger sparen, mit deren Hilfe die für die Erzverhüttung notwendige Temperatur von 1.200 Grad sonst nur erreicht werden konnte. In der Nähe der Öfen fand man auch zahlreiche Pingen, Grabungsstellen, an denen die Kelten das Erz aus der Erde holten. Aus dem Neuenbürger Erz lässt sich ein besonders gut schmiedbarer Stahl herstellen, da er viel Mangan, aber kein Sulfit enthält. Weiter fand man auch große Ambosssteine an denen noch Schmiedeschlacke haftete. Sie weisen darauf hin, dass Schmiede bereits vor Ort die noch mit Schlacke und Holzkohle verunreinigte Rennfeuerluppen aufbereiteten. Der so verfeinerte Stahl wurde dann überregional gehandelt und die Verarbeitung zu Werkzeugen und Waffen erfolgte vermutlich in den Siedlungen, wie etwa Funde in Hochdorf belegen. Ob die Kelten ihre hochwertigen Stahlprodukte über die Handelsrouten vertrieben, welche die neuen Zentren an Mittelrhein und Mosel mit mediterranen Handelsstützpunkten verbanden, kann nicht belegt sondern nur vermutete werden. Jedenfalls war das norische Stahl, das in der späteren römisch-keltischen Provinz Noricum in Österreich hergestellt wurde, wohl im ganzen römischen Reich für seine hohe Qualität bekannt. Denn der römische Dichter Ovid rühmt es in seinen Metamorphosen, indem er auf Latein schreibt  „durior et ferro, quod Noricus excoquit ignis“ was auf Deutsch heißt: „Hart wie Eisen und Stahl, in der norischen Esse geschmolzen.“ Der norische Stahl zeichnete sich durch einen hohen Mangangehalt und einen geringen Phosphorgehalt aus.

Gürtelschnalle aus einem Grab in Weiskirchen in der Nähe von Trier. Ähnlich, wie bei dem Schild aus Wandworth sind die tierischen und floralen Motive so ineinander verschachtelt, dass sie sich erst nach längerer Betrachtung offenbaren, ohne jedoch jemals ganz klar zu sein. Ist hier ein Kopf dargestellt, der von zwei Fabelwesen flankiert ist? Aber handelt es sich wirklich um zwei Fabelwesen? Oder ist es doch nur eines, das von beiden Seiten dargestellt wird? Auf diese Weise wird vermutlich eher etwas so wiedergegeben, wie man es sich vorstellt, als wie man es tatsächlich sieht. Auch diese dynamischen Formen könnten eine magische Bedeutung gehabt haben, die auf den Träger der Gürtelschnalle überging. © O.Mustafin. CC0 1.0. Wikimedia Commons.

Die abstrakten Tiermotive der Kelten stammen vermutlich aus dem Kulturkreis der eurasischen Steppenbewohner, die ihre Toten ebenfalls in aufwändigen Hügelgräbern bestatteten. Ein Beispiel hierfür ist dieser ringförmig angeordneter Wolf aus dem Hügelgrab des „Goldenen Mannes von Jessik„, einem Grab der Saken aus dem 4. – 3. Jahrhundert v. Chr. Die Saken waren ein Stamm von iranischen Steppennomaden, die eng verwandt mit der Kultur der Skythen waren.© Derzsi Elekes Andor. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

Doch nicht nur die Stahlverarbeitung und der Handel mit den daraus hergestellten Gütern verhalf den Kelten zu Wohlstand, sondern auch der Salzbergbau. Dürrnberg bei Hallein, das etwa 20 km südlich von Salzburg liegt, übernahm jetzt die Rolle, die bisher Hallsatt inne gehabt hatte.

Tracht und Ausrüstung eines keltischen Kriegers, in Biebertal, Hessen. © Gorinin. CC BY-SA 3.0.

Zweite Wanderungswelle der Kelten

Im 4. Jahrhundert v. Chr. kam erneut Unruhe auf im Keltenland und die Kelten verließen viele ihrer Siedlungen und begaben sich auf Wanderschaft. Grund hierfür dürften wieder einmal klimatische oder landwirtschaftliche Probleme gewesen sein. Denn die Kelten, die zu dieser Zeit in ihren angestammten Gebieten blieben, lebten ziemlich ärmlich, was selbst für die Eliten galt. Einige Stämme zogen bis nach Oberitalien und ließen sich dort in der Po-Ebene bei den Etruskern nieder und vermischten sich mit ihnen. Im Laufe dieser Siedlungsgeschichte erhielten die ehemals etruskischen Städte Felsina und Melpum die keltischen Namen Bononia und Mediolanum, heute Bologna und Mailand.

Die Kelten und Rom

Schnabelkannen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Sie stammen aus einem Grab eines keltischen Würdenträgers bei Basse-Yutz an der Mosel in Ost-Frankreich. © BabelStone. CC0 1.0. Wikimedia Commons.

387 v. Chr. bat die etruskische Stadt Clusium die aufstrebende römische Republik gegen die keltischen Senonen und Boier um Hilfe. Bei der Schlacht an der Allia  besiegten keltische Stämme die Römer nicht nur, sondern zogen anschließend auch noch nach Rom, wo sie die Stadt plünderten und brandschatzten. Die Römer konnten nur die Burg auf dem Kapitol halten, welche die Kelten daraufhin sieben Monate lang belagerten. Erst ein Einfall der Veneter in Oberitalien soll sie von ihrem Vorhaben abgebracht haben. Für ihren Rückzug handelten die Kelten mit dem Konsulartribun Quintus Sulpicius Longus ein Lösegeld von 1000 Pfund Gold aus. Als die Römer dem Heerführer der Senonen, Brennus, beim Abwiegen des Lösegelds vorwarfen, falsche Gewichte zu benutzen, soll dieser mit den Worten „Vae victis.“ auf Deutsch: „Wehe den Besiegten.“, auch noch sein Schwert in die Waagschale geworfen haben. Mit dieser Dreistigkeit zwang er die Römer dazu, noch mehr Gold zu bezahlen. Ob sich die Ereignisse tatsächlich so zugetragen haben, ist mehr als fraglich. Denn diese Geschichte diente den Römern vor allem dazu ihre eigenen Truppen zu motivieren, sich niemals wieder besiegen zu lassen. Vae victis wurde fortan zum Sprichwort und sollte noch lange eine wichtige Bedeutung für die Entwicklung Roms zur Weltmacht haben.

Details des Deckels der Schnabelkanne von Basse-Yutz. Auf der Tülle sitzt eine Ente, die in einem Fluss aus Wein schwimmt. © Johnbod. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

Die Kelten vor Delphi

Andere keltische Stämme wanderten zur gleichen Zeit über Südosteuropa und den Balkan bis nach Griechenland und Kleinasien. Einige von ihnen hatten wohl auch davon gehört, dass die Athener ihren Staatsschatz in Delphi aufbewahrten. So zogen sie 279 v. Chr. zu dem Ort des Orakels, um sich das dort verwahrte Gold anzueignen. Was ihnen jedoch laut Griechischen Quellen nicht gelungen sein soll. Dennoch verbreitete sich unter römischen Autoren die Legende vom Goldschatz von Tolosa, der manchen zufolge aus Delphi stammen sollte.

Die Galater ziehen nach Anatolien

Ein Galater tötet sich und seine Frau nachdem Attalos I. von Pergamon die Galater besiegt hatte (Museo Nazionale Romano, Rom). © public domain.

Ein Teil dieser keltischen Gruppe, die Galater, zogen schließlich auf Einladung König Nikomedes I. von Bithynien bis nach Zentralanatolien. Denn er hatte sie als Söldner im Kampf gegen seinen Bruder angeheuert. Dabei soll es sich um rund 10.000 Krieger und noch einmal so viele Frauen und Kinder gehandelt haben. Nachdem Nikomedes sie aus seinen Diensten entlassen hatte zogen sie plündernd umher. Erst der Seleukidenkönig Antiochos I. soll die zahlenmäßig überlegenen Galater mit Hilfe von Kriegselefanten besiegt und ihnen Land zugeteilt haben. Den Tolistobogiern wies er Land im Kern des ehemaligen Phrygerreiches zu, mit den alten Städten Gordion und Pessinus, den Tektosagen das Gebiet um Ankyra und den Trokmern das um Tavium. Fortan wurde das Land Galatia genannt. Damit die Galater nicht mehr ihre direkten Nachbarn überfielen, führte Antiochos II. eine »Keltensteuer« ein, die den Galatern ein Auskommen garantieren sollte. Da das ihnen zugewiesene, karge Land nur zur Viehzucht geeignet war, mussten sie sich nach Abschaffung der „Keltensteuer“ entweder erneut durch Plünderungen über Wasser halten oder sich als Söldner für die zahlreichen Kriege der Region verdingen. Sie sind es, an die sich später Paulus Brief an die Galater im Neuen Testament wendet.

Laut Strabon, einem griechischen Geschichtsschreiber, der von 63 v. Chr bis 23 n. Chr. lebte, bestanden die Galater aus den bereits genannten drei Stämmen. Die Namen der Tolistobogier und der Trokmer soll auf die Namen ihrer Anführer zurückgehen. Während der Name der Tektosagen auf einen Stamm im Keltenland zurück ging, der aus dem Herkynischen Wald stammte. Also aus den Mittelgebirgen nördlich der Donau und östlich des Rheins. Alle drei Stämme sprachen die gleiche Sprache und hatten auch sonst die gleiche Kultur. Jeder dieser Stämme war in vier Teile aufgeteilt, die Tetrarchien genannt wurden. Wobei jede Tetrarchie von einem Tetrarchen geleitet wurde, dem ein Richter und ein Feldherr unterstand. Der Rat der zwölf Tetrarchen bestand aus dreihundert Mann, die im Drynemetum zusammen kamen. Dieser Rat sprach Recht im Falle eines Mordes. Während die Tetrarchen und die Richter alle anderen rechtlichen Angelegenheiten entschieden. Im Laufe der Geschichte vereinten immer weniger Tetrarchen die Macht auf sich, bis es nur noch einen einzigen Tetrarchen gab. Strabon: Geographike 12,5,1.

Sollte diese Beschreibung der gesellschaftlichen Organisation der Galater stimmen, könnte sie möglicherweise auch auf andere Regionen des damaligen Keltenlandes zutreffen. Demnach wären die Kelten sehr gut organisiert gewesen, ohne eine Alleinherrschaft eines einzelnen Machthabers zu erlauben. Allerdings geht aus Strabons Bericht nicht hervor, wie die Tetrarchen, Richter und Feldherren zu ihren Ämtern kamen. Wurden sie gewählt oder war ihr Amt erblich? Immerhin hatte der Rat eine große Zahl von Mitgliedern, die wohl bei wichtigen Entscheidungen mitreden durften. Dieser Rat erinnert stark an die Volksversammlung nach germanischen Recht, das Thing.

Die Römer vertreiben die Kelten wieder aus Norditalien

Als die aufstrebende Weltmacht Rom gegen Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. im Laufe des Zweiten Punischen Krieges gegen Hannibal auch Gallia cisalpina„ also das aus römischer Sicht „diesseitige Gallien“ eroberte, wanderten viele Teile der Bevölkerung mit keltischen Wurzeln wieder in das Herkunftsland ihrer Vorfahren nördlich der Alpen zurück. Denn die Römer hatten Im Laufe dieser kriegerischen Auseinandersetzung, bei der die Kelten auf Seiten Hannibals kämpften, viele keltische Stämme in Oberitalien vernichtend geschlagen. Die Rückkehrer, die mehrere Generationen in Oberitalien gelebt hatten, brachten nun ihre Kenntnisse über die hochentwickelte Stadtkultur der Etrusker, die griechische Schrift, sowie die Kultur des aufstrebenden Roms mit in den Norden. Unter dem vermutlichen Einfluss dieser Bevölkerungsgruppe bildete sich nun auch im Keltenland eine aufstrebende Stadtkultur aus, die sogenannten Oppida.

Einfluss der Kelten auf die römische Kultur

Eisenzeitliches Kurzschwert mit Antennengriff aus den spanischen Nekropolen «La Osera» und «Cardeñosa», in der Provinz Ávila. Diese Form des Kurzschwertes ähnelt stark dem Dolch aus dem Prunkgrab bei Hochdorf. © public domain.

Andererseits beeinflussten auch die Kelten durch ihre Anwesenheit in Norditalien und Spanien die römische Kultur. Beispielsweise bei der Ausrüstung des Militärs. So berichtet etwa Strabon über die Kelten, dass sie das Sagum tragen, ein Gewand, welches aus einem rechteckigen Wolltuch bestand. Das Sagum wurde mit einer Fibel auf der rechten Schulter zusammen gehalten. Doch man konnte es auch als Lagerstatt auf den Boden legen oder als Decke benutzen. Das fanden die Römer wohl so praktisch, dass sie es später zur Standardkleidung ihrer Soldaten erkoren. Dieses Kleidungsstück wurde das sprichwörtliche Symbol für das römischen Militär und „sagum sumere“ auf Deutsch „das Sagum anziehen“ war gleichbedeutend mit „in den Krieg ziehen“.

Auch der für die Kelten so charakteristische Halsreif, der Torques fand Eingang in die römische Armee, und zwar als Auszeichnung für besondere Tapferkeit. Laut einer Legende soll ein besonders tapferer Römer einen Kelten im Zweikampf besiegt haben und fortan, als Erinnerung an seinen Sieg diesen Torques getragen haben. Doch den Römern galten die Kelten ohnehin als besonders tapfer. Hatten sie doch bereits unter den Phöniziern erfolgreich gegen sie gekämpft. Etwa bei der Schlacht von Cannae, in der die Phönizier unter Hannibal den Römern eine vernichtende Niederlage beibrachten. Außerdem hatten sie den Ruf, unerschrockene Krieger zu sein, denn als sie 335 v.Chr. der erfolgreiche griechische Feldherren Alexander der Große fragte, was sie am meisten fürchteten, antwortete die keltische Gesandtschaft: „Wir fürchten nichts, außer dass uns der Himmel auf den Kopf fallen könnte.“ Die Vorstellung von einem Himmelsfirnament stammt ursprünglich aus Mesopotamien. Laut dieser Anschauung war die Welt erschaffen worden, indem das Meereswasser, das als Meeresschlange Tiamat dargestellt wurde und das Süßwasser voneinander getrennt wurden. Unten befand sich das von Meereswasser umspülte Land. Während das Himmelsfirnament die Trennung der beiden Wassertypen aufrecht erhielt, indem es das über ihm befindliche Süßwasser daran hinderte auf die Erde und in das Meer zu gelangen. Regnen konnte es nach dieser Vorstellung nur, wenn die dafür zuständigen Götter die in dem Firnament enthaltenen Löcher öffneten.

Auch die römischen Schwerter, die Spatha und das gladius Hispaniensis haben die Römer vermutlich von den Kelten übernommen. Auf das gladius Hispaniensis wurden die Römer wohl während der beiden punischen Kriege aufmerksam, in denen die keltiberischen Söldner der Karthager dieses Schwert äußerst effektiv einsetzten. Scipio Africanus soll nach der Schlacht bei Cartagena 209 v. Chr. die iberischen Einwohner dazu veranlasst haben, Waffen für die römische Armee herzustellen.

Eine weiter Errungenschaft, die die Kelten entwickelten, war das Kettenhemd. Auch dieses wurde später von der römischen Armee übernommen. Ein Grund für die militärische Überlegenheit der Römer lag nämlich in ihrer Fähigkeit, die Errungenschaften der anderen Völker, mit denen sie sich auseinandersetzten oder die sie in ihr Reich integrierten, zu übernehmen und für ihre Zwecke zu nutzen.

Modell vom Zentrums des keltischen Oppidums Manching. © public domain.

Florierendes Oppidum in Manching bei Ingolstadt

Ein Beispiel für ein Oppidum ist die keltische Siedlung Manching. in der Nähe von Ingolstadt in Bayern. Es lag an einem Handelsknotenpunkt zweier Handelswege in Nord-Süd- und Ost-West-Richtung. Damals mündete noch der Fluss Paar in die Donau, und so konnten die Bewohner des Oppidums Fernhandel über die Schifffahrt auf der Donau betreiben. An einem Altwasser der Donau im Nordosten Manchings hatte man einen Hafen angelegt. Die Siedlung war in der späten Latènezeit vermutlich eine der bedeutendsten Handels- und Wirtschaftszentren nördlich der Alpen. Zu ihrer Blütezeit hatte sie rund 10.000 Einwohner. Der Ort bestand teils aus gleichmäßig gebauten Fachwerkhäusern. Vermutlich waren die Einwohner gut gekleidet und trugen einen gepflegten Haarschnitt, manche Männer hatten Bärte, andere waren rasiert.

Schlüssel aus Manching. 2.-1. Jht. v. Chr.; Deutsches Historisches Museum. © Anagoria. CC BY 3.0.

Eine in der Siedlung gefundene Kette lässt vermuten, dass die Bewohner auch Sklaven hielten oder mit ihnen möglicherweise Handel trieben. Diese Unsitte könnten sie von den Römern übernommen haben, deren Wirtschaft ganz wesentlich von der Sklavenarbeit abhing. Die von Archäologen gefundenen, zahlreichen Schlüssel und Schlösser zeugen von dem Wohlstand der Bewohner, die ihren Reichtum wohl bereits damals vor Dieben zu sichern suchten. Dabei nutzten sie Schubriegelschlösser und Hakenschlüssel zur Sicherung von Türen und Toren, während sie Fallriegelschlösser für kleinere Türen und Federschlösser für Kisten und Truhen einsetzten.

Regenbogenschüsselchen aus Manching. © public domain.

Manching prägte auch seine eigenen Münzen. Wobei sie zwischen dem innerstädtischen Handel und dem Fernhandel unterschieden. Kleine Silbermünzen und Büschelquinaren, sowie Münzen aus unedler Bronze, Potin genannt, wurden innerhalb des Oppidums benutzt. Während für den Fernhandel Gold- und etwa seit Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. auch Silbermünzen vorbehalten waren. Die in Manching geprägten Goldmünzen weisen die charakteristische schüsselförmige Wölbung aus, die dieser Art von Münzen den Namen Regenbogenschüsselchen eintrug. Bauern in nachkeltischer Zeit förderten beim Pflügen ihrer Felder immer wieder solche Regenbogenschüsselchen zutage. Das beflügelte die Fantasie der Menschen, die sich das Auftreten dieser Goldstückchen zu erklären versuchten. So stellten sie sich vor, die Goldstückchen seinen am Fuße eines Regenbogens herabgetropft und dort auf der Erde zurückgeblieben. Regenbogenschüsselchen sind meist unbeschriftete Goldstücke, in die nur symbolische Muster wie Kugeln, Punkte, Kreise oder Sterne eingeprägt sind. Manche von ihnen wurden auch mit einfachen Motiven aus der Bilderwelt der Kelten versehen, wie etwa Vogelköpfe oder Schlangen. Regenbogenschüsselchen wurden im gesamten Kulturraum der europäischen Keltenwelt als Zahlungsmittel eingesetzt.

Regenbogenschüsselchen aus Passau. © Wolfgang Sauber. CC BY 3.0 DE.

Und selbst damals war bereits Falschgeld im Umlauf, wie mit Gold überzogene Bronzemünzen belegen. Denn die Kelten beherrschten schon die Feuervergoldung mit Hilfe von Blei, eine Technik, die sie jedoch vor allem zur Veredelung von Schmuck einsetzten. Um den Falschmünzern das Handwerk zu legen hatte das Oppidum einen Satz von Bleigewichten erstellt, mit dessen Hilfe sich die Echtheit der Münzen mit einer Waage überprüfen ließ. Gewichte ähnlicher Form kennt man auch aus griechischen Kolonien in Kleinasien und an der Schwarzmeerküste.

Rekonstruktion eines keltischen Zangentores aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.,
Zeme Keltu, Nasavrky, Tschechische Republik © Vyskovakcz. CC BY 4.0.

Um 150 v. Chr. wurde Manching mit einem Murus Gallicus als Schutzwall versehen. Als Tore dienten monumentale Zangentore, die es erlaubten Angreifer in dem architektonisch erzeugten Hohlweg in die Zange zu nehmen, noch bevor sie in die Siedlung eindringen konnten. Solche Tore gab es bereits in der Urnenfelderkultur. Die Befestigungsanlagen deuten erneut darauf hin, dass es im Keltenland wohl oft zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, oder zumindest mit Überfällen auf reichere Oppida durch plündernde Kriegergruppen zu rechnen war. Ende des zweiten Jahrhunderts v. Chr etwa verließen die germanischen Stämme der Kimbern und Teutonen ihre angestammten Gebiete in Jütland, dem heutigen Dänemark und zogen auf der Suche nach neuen Siedlungsgebieten nach Süden. Dazu wanderten sie durch Gebiete des heutigen Schlesien, Böhmen und Österreich. Vermutlich kam es dabei immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Stämmen, die in den Gebieten lebten, durch die sie hindurch zogen. Doch im Laufe ihrer Wanderung schlossen sich dem Tross auch einige weitere Stämme an, wie etwa die Ambronen, und die Tiguriner, ein keltischer Stamm der Helvetier.

© Memnon335bc. CC BY 3.0. Wikimedia Commons.

Manching verfügte über reiche Eisenlagerstätten. Das dort gewonnene Raseneisenerz und das aus dem Gebiet von Neuburg a.d. Donau und auf der Alb gehobene Bohnerz wurde im nahe gelegenen Feilenmoos verhüttet. Die vermutlich daraus in der Siedlung geschmiedeten Werkzeuge und Waffen wurden sowohl für den Eigenbedarf, als auch für den Export produziert. Doch bereits um 80. v. Chr. ging wohl die Zahl der Aufträge deutlich zurück und die Schmiede mussten sich zunehmend mit Flickarbeiten zufrieden geben.

Glasarmring aus der Latenezeit, Fundort: Straubing. © Wolfgang Sauber. CC BY-SA 3.0.

Die Handwerker von Manching stellten viele verschiedene Werkzeuge und Produkte in großer Zahl und hoher Qualität her. Die Vielfalt der Handwerkszeuge war erstaunlich groß. Auch Schmuck wurde in Serie produziert, wie etwa die zahlreichen Glasperlen und -armreife belegen. Sie wurden über einen längeren Zeitraum in großer Zahl und in meisterhafter Perfektion hergestellt. Dies konnte nur durch eine lange handwerkliche Tradition gelingen, bei der die Werkstattgeheimnisse von einer Generation an die nächste weiter gegeben wurden. Dabei wurde nicht nur das Wissen über den Schmelzprozess und die Gestaltung des Glases tradiert, sondern auch die richtige Färberezeptur, der die Armreifen ihre charakteristische, über 100 Jahre gleichbleibende, kobaltblaue Färbung verdanken. Als die keltische Kultur mit der Eroberung Galliens durch Caesar unter ging, verschwand mit ihr auch das Wissen um diese Technik. Die Römer konnten den Kelten in dieser Hinsicht nicht das Wasser reichen: Denn ihnen gelang es nur wesentlich einfachere Armreife herzustellen, die dazu auch noch an einer Stelle zusammengeklebt werden mussten.

Ein Himmel voller Götter

Über die religiösen Vorstellungen der Kelten wissen wir nur aus den Quellen der antiken Geschichtsschreiber und aus wenigen Inschriften Bescheid. Römer und Griechen versuchten ihre eigene Vorstellungswelt mit der der Kelten abzugleichen. Eine Praxis, die im Altertum weit verbreitet war. Auch die Mesopotamier praktizierten sie ausgiebig, lange bevor es die Griechen und Römer überhaupt gab. Das war etwa wichtig für Vertragsabschlüsse zwischen zwei verschiedenen Rechen, um zu wissen, unter den Schutz welchen Gottes man den Vertrag stellen musste, damit er eingehalten wurde. Die Zuordnung zwischen römischen und keltischen Gottheiten ist heute jedoch umstritten. Huldigten doch die verschiedenen keltischen Stämme in den unterschiedlichen Regionen jeweils ihren individuellen Stammesgöttern. Diese ähnelten sich zwar oft in ihrem Aufgabenspektrum, waren aber zumindest unter verschiedenen Namen bekannt. Eine vergleichbar große Vielfalt an verschiedenen Göttern gab es bei den Hetithern, einem antiken indogermanischen Volk, das damals in der heutigen Türkei lebte (Die Türken sind dort erst Jahrtausende später eingewandert). Bei den Hethitern verehrte jede Stadt ihre eigenen Götter. Wobei die Vielzahl der Götter auch daher rühren mag, dass sie ihre Könige nach dem Tode vergöttlichten und damit zu einem ständigen Anwachsen des hethitischen Pantheons beitrugen.

Den Kelten waren vermutlich Flüsse und Gebirge heilig und wurden, wie bei den Römern auch, als Gottheiten verehrt. So gehen noch heute viele unserer Flussnamen auf einen keltischen Ursprung zurück, wie etwa Rhein (Rhenus Pater), Donau (Danuvius), Marne (Matrona »Große Mutter«) und Seine (dea Sequana). Gleiches gilt für Gebirge, wie etwa die Vogesen und dem Wasgaus, die ihren Namen wohl dem keltischen Gott Vosegus verdanken. Die französischen Ardennen gehen auf den Namen der Waldgöttin Arduinna zurück. Und der Schwarzwald wurde unter den Römern nach der keltischen Muttergöttin Abnoba benannt. Gleichzeitig verehrten die einzelnen Stämme wohl jeweils einen eigenen Stammesgott, der möglicherweise, wie schon bei den Hethitern, auf einen Ahnenkult zurück ging, bei dem der Stammesgründer oder die -gründerin vergöttlicht wurde. Ihren Göttern opferten die Kelten an ihnen heiligen Orten unter freiem Himmel.

Statue einer keltischen Göttin, die mit Minerva gleichgesetzt wurde. Vermutlich handelt es sich um Brigantia. 1. Jahrhundert n. Chr. © public domain.

Hochkulturen üben meist aufgrund ihrer intellektuellen und zivilisatorischen Leistungen einen starken Einfluss auf die sie umgebenden  Kulturen aus. So übernahmen etwa die Hethiter, Assyrer und später die Perser nicht nur handwerklich künstlerische Fertigkeiten, sondern auch religiöse Konzepte von den anderen mesopotamischen Hochkulturen und beeinflussten diese wiederum ihrerseits. Später machten sich die nachfolgenden Hochkulturen der Phönizier, Griechen, Etrusker und Römer diese Konzepte zu eigen. Wobei jede dieser Kulturen die aus einem benachbarten Kulturraum übernommenen religiösen Vorstellungen an ihre ganz eigenen Bedürfnisse anpasste. So waren etwa Fruchtbarkeitsgötter für die von Ackerbau und Viehzucht stark abhängige Bevölkerung von besonderer Bedeutung. Andererseits sollten Kriegsgötter ein Volk dabei unterstützen ihr angestammtes Territorium gegenüber Eindringlingen zu verteidigen.

Durch ihren intensiven Austausch mit anderen Kulturen werden auch die Kelten mit den damals weit verbreiteten religiösen Konzepten in Kontakt gekommen sein. Etwa mit dem ursprünglich mesopotamischen Konzept der Liebes- und Kriegsgöttin Inanna/Ishtar. Ihr zu Ehren wurde das mesopotamische Frühlingsfest begangen, die sogenannte Heilge Hochzeit.  Ein Fest, mit dem durch die Vereinigung des Königs mit einer Priesterin der Ishtar die Legitimation des königlichen Machtanspruches legitimiert wurde. Von einer ähnlichen Praxis berichten auch irische Legenden. Ishtars Symboltiere waren der Löwe und die Taube. Die Kelten könnten das Konzept der Ishtar über ihre phönizischen Kontakte als Astarte kennen gelernt haben, oder aber über die Griechen als Athene, Hera oder Kybele. Wobei sie Kybele auch direkt über den Kontakt zu ihren nach Galatien ausgewanderten Verwandten, den Galatern, vermittelt bekommen haben könnten, denn diese verwalteten den Kultort der Göttin in Pessinus, Nach einem Orakelspruch aus Delphi überführten die Römer während des zweiten punischen Krieges den schwarzer Meteorit, der sich im Tempel der Kybele befand nach Rom. Dort arbeiteten sie den Stein in eine Silberstatue der Kybele ein und integrierten Kybele in ihren Staatskult. Der Verehrung Ishtars in gewandelter Form könnten die Kelten aber auch bei den Etruskern als Uni oder Menrva und den Römer als Juno oder ihre Tochter Minerva begegnet sein.

Juno mit Speer und Schild, als Wächterin der Stadt Rom. © Biser Todorov. CC BY 4.0. Wikimedia Commons.

Dieses Konzept der Kriegs- und Liebesgöttin könnte der keltischen Göttin Brigantia, Brigid oder Brig zugrunde liegen. Ihr Name wird als „die Helle“, „die Strahlende“, „die Streiterin“ oder „die Erhabene“ gedeutet. Sie war die Stammesgöttin der Briganten und der Brigantier. Wobei letztere ihr Oppidum am östlichen Bodenseeufer bauten, dem Vorgänger des heutigen Bregenz. Nach ihnen wurde der Obersee von antiken Autoren zunächst als Lacus Brigantinus (See der Brigantier) bezeichnet. Brigid wurde unter anderem auch im irischen Kildare verehrt. Überliefert ist sie zum einen als Kriegsgöttin, zum anderen aber auch als Fruchtbarkeits- und Heilgöttin. Ihr war das irische Fest Imbolg gewidmet. Ein Frühlings- und Sühnefest, das bei den Römern als Februa bekannt war und dem Monat Februar seinen Namen gab. Es war der römischen Göttin Juno geweiht, einer römischen Entsprechung der mesopotamischen Ishtar. Die am 15. Februar begangenen Lupercalien dienten der Sühne und der Befruchtung des Landes, der Stadt, ihrer Einwohner und ihrer Herden. Dieser Brauch könnte auf die Sühneriten zu Beginn des mesopotamischen Frühlingsfestes Akitu zurück gehen.

Etruskische Menrva. © Sailko. CC BY 3.0. Wikimedia Commons.

Die irische Brigid wurde schließlich als Brigida von Kildare in den Kanon der Heiligen aufgenommen. Ihr männlicher Gegenpart war Briganitius. Durch Lautverschiebung könnte sich Brig bei den Germanen zu Frigg oder Freya entwickelt haben. Denn nach dem Grimmschen Gesetz kann sich im Germanischen in einem ersten Schritt b zu p und in einem zweiten p zu f umwandeln. Bereits im Walisischen heißt die Heilige St. Ffraid. Die germanische Liebes- und Kriegsgöttin Freya soll laut der Edda einen von zwei Wildkatzen gezogenen Kriegswagen besessen, sowie ein Falkengewand getragen haben, mit dem sie durch die Lüfte fliegen konnte. Ihr standen nach einer Schlacht die Hälfte der gefallenen Krieger zu, die sie mit an ihren Hof in Fólkvangr nahm. Ihrem Mann Odin, auch Wotan oder Godan genannt, stand die andere Hälfte der getöteten Helden zu. Freya gab dem Freitag ihren Namen. Im romanischen Sprachraum ist er der Tag der Venus. Das entspricht dem Namen des Freitag bei den Babyloniern, von denen unsere Wochentage stammen. Wobei alle Wochentage Planeten zugeordnet waren, die wiederum jeweils für einen Gott standen. Der Freitag war in Babylon also der Tag der Ishtar. Die männliche Entsprechung von Freya ist Freyr, ein germanischer Fruchtbarkeits- und Wettergott und Bruder der Freya. Sein Name bedeutet Herr. Der Name von Freya lautet also Herrin. Auf den Beinamen Friggs, „die Huldvolle“ geht vermutlich die Märchengestalt Frau Holle zurück. In anderen Regionen ist Frigg auch als Frau Perchta, Frau Gode oder Frau Wode bekannt.

Stele des Baal aus dem 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr., gefunden am Baaltempel in Ugarit: Baal wird hier als Gewitter- und Wettergott dargestellt. In seiner rechten Hand hält er die Donnerkeule und in seiner Linken einen stilisierten Blitzspeer, Als Berggott ist zu seinen Füßen eine Wellenlinie dargestellt, die Berge symbolisieren soll (sein Sitz ist der Berg Zaphon), während die untere Wellenlinie seine Herrschaft über das Meer zeigen soll, nachdem er Yam, den kanaanitischen Meeresgott, besiegt hat. © C. F. A. Schaeffer, Syria, XIV, 1933, p.123. public domain.

Auf ähnliche Weise könnte sich auch die Vorstellung von dem mesopotamischen Gott Bel-Marduk bis zu den Kelten verbreitet haben. Bereits in der Bronzezeit 1.500 bis 1.200 v. Chr. wurde er im damals hethitischen Ugarit als Hauptgott nach El verehrt. Dort hieß er Baal. Als seine Heimstätte galt der Berg Baʿal-Zephon nördlich von Ugarit. Baal war der wichtigste Gott im ugaritischen Mythos, ihm wurde der umfangreichste Mythenzyklus in den Keilschriftfunden gewidmet. Sein Name bedeutet ursprünglich Besitzer, woraus seine Eigenschaft als Herrscher oder Herr abgeleitet wurde. Aber sein Name steht auch für den Ehemann. Die weibliche Form Baalat heißt Herrin, woraus sich Besitzerin oder Hausherrin ableitet. Bereits bei den Babyloniern wurden Bel-Marduk die Eigenschaften vieler einzelner Götter zugesprochen, so dass er insgesamt über 50 Namen verfügte. Seine Herrschaft im Götterhimmel legitimierte die Herrschaft des irdischen Königs. Auch die Phönizier und Kanaaniter übernahmen den Glauben an Baal. Ihm wurde die Himmels-, Kriegs-, und Liebesgöttin Astarte als Gattin zur Seite gestellt, die der babylonischen Ishtar entspricht.

Der assyrische Reichsgottes Assur wurde mit einer Flügelsonne dargestellt.  Laut assyrischen Vorstellungen soll er dem assyrischen Heer voraus gezogen sein. Seine Gattin war  Ninlil, die später mit Ishtar gleich gesetzt wurde. Das Symbol der Flügelsonne geht auf ägyptische Vorläufer aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. zurück. © gemeinfrei.

Viele der Eigenschaften von Baal wurden später, im Lauf der Entwicklung der jüdischen Religion auch dem biblischen Jahwe zugeschrieben. Ein Beispiel hierfür sind seine Eigenschaften als Wetter- und Fruchtbarkeitsgott, der über Wolken, Wind und Regen gebietet. Sie finden sich auch im Psalm 65 wieder (Ps 65,7-13 LUT). Beide galten als „Reiter der Wolken“, „Allmächtig“, „Herr der Erde“. Genauso wie Baal diente Jahwe dazu den Machtanspruch des jüdischen Königs zu legitimieren. Lange Zeit unterschieden sich die religiösen Praktiken der Juden nicht wesentlich von denen ihrer Nachbarn. Auch die Einwohner Jerusalems huldigten bis zur Eroberung durch die Babylonier im 6. Jahrhundert v. Chr. noch Jahwe und Ashera in Form von kleinen Tonfigürchen in ihren Hausaltären. Erst nachdem die Perser weite Teile des Nahen Ostens durch die Eroberungen des legendären Königs Kyros unter ihre Herrschaft gebracht hatten, erfuhr die jüdische Religion eine entscheidende Wende. Die jüdischen Priester erkannten Kyros als Retter und damit als von dem obersten Gott gesandten Messias an. Genau so, wie dieser es in seinem Kyros-Zylinder selbst hatte verkünden lassen. Nach der Machtübernahme durch die Perser entwickelten die Juden allmählich einen reinen Monotheismus, bei dem keine figürliche oder bildliche Darstellung von Jahwe mehr erlaubt war und er auch der Frau an seiner Seite beraubt wurde. Die religiösen Vorstellungen der Juden über einen monotheistischen Gott dürften jedoch ganz wesentlich durch den persischen Zoroastrismus beeinflusst worden sein, dem wir auch die Vorstellung von Himmel und Hölle verdanken. Denn die Perser begründeten damals ihren Machtanspruch über ihr riesiges Reich im Nahen Osten damit, dass der allmächtige und weise, mit monotheistischen Eigenschaften versehene Ahura Mazda die Perser für diese Aufgabe auserkoren habe. Wobei Ahura Mazda eine Synthese aus den von den Ägyptern, Babyloniern und Assyrern entwickelten Vorstellungen eines mit immer mehr Macht ausgestatteten Sonnengottes (Ra, Bel-Marduk, Assur) war, der nun jedoch mit dem persisch/indischen Gott Ahura Mazda verschmolz.

Ahuramazda, Relief in Persepolis. Die Perser übernahmen das Motiv der Flügelsonne für die Darstellung Ahuramazdas. Allerdings trägt Ahuramazda entsprechend dem persischen Srbstvertsändnis einer gerechten Herrschaft nicht mehr eine Pfeil und einen Boigen, wie Assur, sondern einen Ring, der als Symbol der Herrschaft dient.© Ziegler175. CC BY-SA 3.0

In Griechenland wurde Baal mit Zeus und in Rom mit Jupiter gleichgesetzt. Die Römer ordneten ihm den keltischen Gott Taranis zu. Er könnte auf den obersten Gott der Hethiter Tarhuna zurück gehen. Tarhuna galt als Wettergott des Himmels und Herr des Landes Hatti. Als Wettergott ist Tarhuna für verschiedene Erscheinungen des Wetters, wie Donner, Blitz, Gewitter, Regen, Wolken und Stürme verantwortlich. Darüber hinaus herrscht er über den Himmel und die Berge. Da er mit seinem Regen über das Gedeihen der Feldfrüchte oder Dürre, und damit über gute Ernten oder Hungersnöte entschied, stand er an die Spitze des hethitischen Pantheons. In seiner Funktion als Herr des Landes Hatti verlieh er dem hethitischen Großkönig im Namen der Götter sein Amt als „Verwalter“ des Landes Ḫatti. Damit entspricht er der Funktion von Bel-Marduk in Babylon. Seine Partnerin war die Sonnengöttin von Arinna. Bei den indogermanischen Luwiern, die in der gleichen Region lebten, wie die Hethiter hieß Tarhuna Tarhunz. Taranis könnte der Vorläufer des germanischen Thor bzw. Donar sein, dem noch heute unser Donnerstag gewidmet ist.

Tarhunz kämpft mit einem Mitstreiter gegen die Meeresschlange Illuyanka, so wie Bel-Marduk bei der Erschaffung der Welt gegen den Meeresdrachen Tiamat kämpfte, den er besiegte und aus dessen Körper er die Welt erschuf. Er gilt damit auch als Bezwinger des Chaos. Bei dem Mythos über den Kampf von Tarhunz gegen Illuyanka ging jedoch der Bezug zur Erschaffung der Welt verloren. Dennoch wurde er, wie das Enuma elisch aus Babylon zum Frühlingsfest rezitiert. © Georges Jansoone. CC BY-SA 3.0

Auch der keltische Belenus könnte sich von Baal ableiten. So könnte der gleiche Gott bei den verschiedenen keltischen Stämmen unter unterschiedlichen Namen bekannt gewesen sein. Der oberste germanische Gott Odin hatte etwa auch viele verschiedene Namen. Die Gefährtin von Belenus war wohl Belisama. Ihr Name soll die Leuchtende bedeuten. Belisama wurde nach der Interpretatio Romana mit der römischen Minerva gleich gesetzt, die wiederum der weit verbreiteten Liebes- und Kriegsgöttin entspricht. So könnten die Kelten durch den Austausch mit anderen Kulturen ihre alt tradierten Stammesgötter oder -göttinen mit Eigenschaften ausgestattet haben, die in den benachbarten Kulturen gerade „modern“ waren.

Auch der germanische Wettergott Thor kämpft gegen die Midgardschlange, die sich die Germanen als weltumspannende Seeschlange vorstellten, wie die mythische Darstellung von Thors „Fischzug“ auf dem Gosforth-Kreuz zeigt. © public domain.

Nicht selten setzten die Römer keltische Götter dem Apollon gleich. Dieser galt damals jedoch unter bestimmten Philosophen, wie den Pythagoreern und Platonikern als eine Anspielung auf das Eine, das höchste, absolut transzendente Prinzip, und damit das Gegenteil der Vielheit. Auch schrieben manche antike Geschichtsschreiber, die Kelten seinen Pythagoreer. Laut dieser Deutung, die der Neuplatoniker Plotin den Pythagoreern zuschrieb, ist „Apollon“ der Göttername des Einen. Demnach soll  A-pollon („der Nichtviele“) bedeuten, abgeleitet aus a- („nicht“) und pollón („viel“). Diese Deutung von Apollons Namen ist in Platons Werken zwar nicht ausdrücklich überliefert. Forscher gehen jedoch davon aus, dass er sie kannte und sie wohl ein Teil seiner nur mündlich weitergegebenen „Ungeschriebenen Lehre“ war. Demnach könnten die Druiden mancher keltischen Stämme von dieser Vorstellung gehört und sie vertreten haben. Vielleicht spiegeln ja die komplexen, ornamentalen Muster wertvoller Gegenstände der Latenezeit dieses exklusive Wissen der Eliten wieder, nach dem das Viele Ausdruck des Einen und sich das Eine in dem Vielen widerspiegelt. Doch die Gleichsetzung keltischer Götter mit Apollon könnte sich auch auf die Praxis der Druiden beziehen, als Wahrsager und Heilkundige aufzutreten. denn Apollon war in Griechenland ursprünglich mit dem delphischen Orakel und der Heilkunst verbunden.

Das Ende der Kelten und ein Neuanfang

Als Caesar Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Gallien eroberte, verloren nicht nur die keltischen Stämme Galliens ihre Unabhängigkeit. Auch das Gefüge der keltischen Gesellschaft in den Nachbarregionen wurde dadurch auf Dauer in Mitleidenschaft gezogen. Durch die Ausdehnung des römischen Reiches wurden vermutlich alte Handelsrouten unterbrochen und der für die Kelten so wichtige Handel lief schlecht. In der Folge waren viele Menschen dazu gezwungen die Regionen in denen sie bisher lebten zu verlassen und in die aufstrebenden Städte des römischen Reiches abzuwandern, wo sich ihnen bessere Chancen boten. Dieser Effekt ist etwa für die Oppida im Gebiet der Treverer gut belegt. Als Augusta Treverorum, das spätere Trier, unter dem römischen Kaiser Augustus gegründet wurde, verließen die Treverer nach und nach ihre eigenen Oppida, wie das Oppidum am Titelberg in Luxemburg, die Siedlungen am Castellberg bei Wallendorf und am Ringwall von Otzenhausen oder das Oppidum auf dem Martberg.

Langfristig profitierten die Kelten jedoch von ihrer Integration in das römische Reich. Gallien erlebte in den folgenden Jahrhunderten einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung. Waren unter keltischer Herrschaft wertvolle Keramikprodukte, Bronzeschmuck, Glas und Eisengeräte noch eher den Wohlhabenden vorbehalten, so wurden sie ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. für einen Großteil der Bevölkerung erschwinglich. Und auch die hygienischen Verhältnisse verbesserten sich. Ließen die Römer doch Aquädukte bauen, um die Städte mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Das Abwasser wurde dann wieder über ein eigens dafür konstruiertes Kanalsystem aus den Städten heraus geleitet. Und auch die Landwirtschaft warf mehr Erträge ab, nachdem sie nach römischem Vorbild verbessert worden war.

Die Römer bauten Äquädukte, um die Städte mit Wasser zu versorgen. Ein besonders gut erhaltenes Beispiel ist der Pont du Gard bei Nimes in Frankreich. Der 275 m lange und 49 m hohe Aquädukt wurde im 1. Jahrhundert vor oder nach Chr. errichtet. © Benh LIEU SONG. CC BY-SA 3.0. Wikimedia Commons.

So erhöhte sich der Lebensstandard der Gallier allmählich, die Kindersterblichkeit sank und damit stieg wiederum die Lebenserwartung. Lag sie in vorrömischer Zeit noch im Durchschnitt bei 17,3 Jahren, so erhöhte sie sich in römischer Zeit auf immerhin 27,5 Jahre. Doch während die Frauen unter römischer Herrschaft seltener krank und besser ernährt waren mussten die Männer härter arbeiten. Sie litten öfter unter Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule und der großen Gelenke.

In römischer Zeit wuchs die Bevölkerung rasch an und so entstand in der Trierer Region ein dichtes Netz an Bauernhöfen, die jeweils nur etwa einen Kilometer voneinander entfernt lagen. Entlang den Fernstraßen entwickelten sich Orte, an denen Märkte abgehalten wurden und in die nach und nach immer mehr Bewohner zogen. Im 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. lebten in ganz Gallien rund elf Millionen Menschen. So viele Einwohner sollte Gallien erst wieder im Hochmittelalter und der Neuzeit beherbergen.

Irisches Highcross. © DalyLeo. CC BY 4.0. Wikimedia Commons.

Doch an diesem Aufschwung hatten nur die Kelten teil, die bereit waren sich der römischen Herrschaft zu unterwerfen. Kelten, die hierzu nicht bereit waren verarmten zusehends, das galt insbesondere für bisher privilegierte Bevölkerungsgruppen. So probte etwa eine Gruppe von Adeligen zunächst einen Aufstand und floh dann schließlich auf die andere Seite des Rheins. Andere Kelten zogen sich mehr in Richtung Westen zurück, etwa auf die britischen Inseln. Doch auch dort trafen nach einigen Jahren die Römer ein und unterwarf die dort lebenden keltischen Stämme. Nur der Norden Schottlands konnte sich einer Invasion der Römer erwehren, während Irland von ihnen völlig verschont blieb. Hier wie dort konnten die Bewohner ihre keltische Kultur bewahren.

Der Erzengel Michael wird bereits von den Juden als Schutzengel des Volkes Israel verehrt. In der christlichen Vorstellung gilt er als Bezwinger des Bösen in Form eines Drachens. Michael soll den großen Drachen auf die Erde gestürzt haben, wobei die letzten Worte, die er vor seinem Sturz hörte, „Wer (ist) wie Gott?“ waren – eine wörtliche Übersetzung des hebräischen Mi-ka-el. © public domain.

Diese keltischen Refugien blieben auch von dem Ansturm germanischer Stämme zu Zeiten der Völkerwanderung ausgenommen, unter dem das weströmische Reich schließlich zusammen brach. So waren es denn zu Beginn des Mittelalters iroschottische Mönche, die das inzwischen wieder weitgehend heidnisch gewordene Mitteleuropa (re)christianisierten. Dabei gingen sie nicht viel anders vor, als ihre römischen Vorgänger. Denn Papst Gregor der Große hatte die iroschottischen Missionare 601 dazu angeleitet, die alten heidnischen Kultstätten nicht zu zerstören, sondern sie mit Weihwasser zu besprengen und dort Altäre oder Kapellen zu errichten. Deshalb gibt es bei uns so viele Kapellen, die in der freien Natur, bevorzugt an einem Wasserlauf liegen. Natürlich mussten die dort verehrten Heiligen die gleichen Aufgaben erfüllen, wie ihre heidnischen Vorläufer. So übernahm etwa der heilige Petrus nach der Fällung der Donareiche bei Geismar durch Bonifatius von dem germanischen Gott Donar dessen Zuständigkeit für das Wetter. Aus dem Holz des Baumes wurde ein Heiligtum gebaut, das fortan dem heiligen Petrus geweiht war. An vielen Kultplätzen, an denen bisher der germanische Kriegs- und Fruchtbarkeitsgott Odin/Wotan verehrt wurde errichteten Missionare Kapellen und Kirchen die dem wehrhaften Erzengel Michael geweiht sind. Auch die kriegerischen Langobarden schlossen den schlagkräftigen Engel in ihr Herz und errichteten ihm auf ihrer Wanderung durch Italien viele Heiligtümer, wie etwa das auf dem Monte Gargano in Apulien. Erinnerte er sie doch an die kriegerischen Tugenden und die Größe Odins. Und auch bei den Franken erfreute sich Michael großer Beliebtheit. Daher legte Ludwig der Fromme 813 auf der Synode zu Mainz den Michaelstag auf den 29. September, in die Woche des Herbstbeginns, in der bisher zu Odins Ehren ein Fest abgehalten worden war. Nach der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld am 10. August 955 wurde Michael zunächst Schutzpatron des Ostfrankenreich, dann des Heiligen Römischen Reiches und später Deutschlands. Doch auch im Westfrankenreich schätzte man den schlagkräftigen Erzengel. Errichteten sie ihm doch mit dem Mont Saint Michel eine der wichtigsten Pilgerstätten Europas. Nach dem Vorbild dieses Heiligtums wurde auch der weniger bekannte St. Michael’s Mount im englischen Cornwall eingerichtet. So verwandelte sich der heidnische Himmel voller Götter in einen christlichen Himmel voller Engel und Heiligen.

von Ute Keck, 12. September 2019

Quellen, weiterführende Literatur und Videos:

Die Architektur der Kelten

Wie lebten die Kelten?

Goldschatz von Erstfeld

Eisenzeitliche Fischereianlage im Bruckgraben im südlichen Federseeried

Eine Katastrophen-Theorie zum Beginn der Urnenfelderkultur

Der „Thrako-Kimmerische“ Formenkreis aus der Sicht der Urnenfelder- und Hallstattzeit im südöstlichen Pannonien.

Guntram Gassmann/Günther Wieland. Heißes Eisen beim kalten Herz. Keltische Eisenproduktion bei Neuenbürg im Nordschwarzwald. Denkmalpflege in Baden-Württemberg 3|2008

Stahlwerkstoffe in der Kelten- und Römerzeit – Teil 1

Keltische Eisenherstellung

Goldene Träume – Das Hügelgrab von Hochdorf

Eisenzeitliche Reiternomaden der Steppe haben europäische und ostasiatische Vorfahren

Torques als militärische Auszeichnungen bei den Römern

Wie die Kelten ihre geheimen Zauberrituale pflegten

Im Reich der Gold hütenden Greife

Archäologie: Als die Gallier Römer wurden

…und die Köpfe rollen? Eine quellenkritische Analyse zum keltischen „Kopfkult“

Genähtes aus dem Hallstätter Salzberg

kelten römer museum manching – Die Geschichte der Kelten

Researchers Discover First Use of Fertilizer

Strabo Geography Book XII, Chapter 5

Gottes geschiedene Frau heißt Aschera

 

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